Lesungen und so

Seit einiger Zeit besuche ich ja zunehmend Lesungen im deutschsprachigen SL. So auch gestern, die beiden Lesungen im Rahmen des Relay for Life Event.

Zum einen las Bernhard Giersche aus seinem Roman Das letzte Sandkorn, zum anderen trug Kueper himself, seine Kurzgeschichte Demeters Garten vor, die in der Sammlung Fieberglasträume erschienen ist.

Um es gleich vorwegzunehmen, beide Vorträge luden zu gepflegtem Rückwärtsessen ein.
Während der Eine extrem tief in die Fäkalienkiste greift, erzählt der Andere von Tintenfischblowjobs, lässt Gehirn in Herzchenform an Scheiben klatschen, da werden Flammenwerfer von irgendwelchen Tentakeln in irgendwelche Köpfe gerammt und das Ganze gespickt mit Chauvisprüchen aus dem vorletzten Jahrhundert.
Beiden Stories gemein ist, dass es von extrem unsymphatischen Charakteren nur so wimmelt.

Das letzte Sandkorn ist eine Weltuntergangsgeschichte, deren Protagonist ein Versicherungstyp namens Adam Schlagmichtothabichvergessen, ist. Adam, Nachtigall, ick hör dir trapsen. Der Plot selbst ist interessant, stellt sich dann aber, für mich, als eine Art Blues Brothers auf Speed heraus. Die sind nämlich alle, all überall auf der Welt, im Auftag des Herrn unterwegs, mehr oder weniger. Und killen was das Zeug hält, genüßlich in allen Einzelheiten beschrieben, mit so einer Art Actionfilmtouch.
Während besagter Versicherungsangestellter namens Adam und so ein Hannibal Lecter für Arme, namens Lindner, die Welt oder irgendwas retten sollen, wollen, müssen. Mit dabei ist auch ein quiekendes Baby, Tomate genannt.
Auch ohne das Ende zu kennen, wird die Welt wohl gerettet, in irgendeiner Form. Sonst würde der Typ kaum Adam heissen. Und wenn nicht, auch nicht schlimm.

Was mich an Demeters Garten am meisten gestört hat, ist das Ende. BUM! Platsch! Gehirn an die Scheibe, Geschichte zuende. Gut ist. Nein, da muß dann noch ein ganzer Absatz über irgendwelche Asiaten kommen, die Nudeln, wie soll ich sagen, zu sich nehmen, und dabei über das vorher Geschene reden und unbedingt, ganz unbedingt so ein Metallophagendings bauen wollen/haben müssen.
Das macht das Ende dann doch einfach nur lahm, zeigt aber die eigentliche Zielgruppe und vielleicht hätte die Sammlung besser Feuchte Fieberglasträume heissen können sollen, was dann auch dem Cover eher entsprechen würde.

Damit wir uns richtig verstehen, das ist meine Meinung, und wer auf Splatter, Fäkalien und durchgeknallte Ekeltypen steht, wird sowohl Roman als auch Kurzgeschichte lieben, vor allem weil beide Vorträge sehr gut gelesen wurden und es Spaß gemacht hat, zuzuhören.

Was mir aber bei vielen Lesungen aufgefallen ist, ist der Fortsetzungswahn.
Gestern auch wieder. Auf die Frage was seine nächsten Projekte seien, sagte Bernhard Giersche: Die Fortsetzung, natürlich.. oder ähnliches.

Wie jetzt, Weltuntergang 2.0?

Himmelhergott oder auch in Dreiteufelsnamen, warum?

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4 Antworten zu Lesungen und so

  1. buktombloch schreibt:

    Guten Tag.
    Vorweg: Kuepers Story hatte ich vor einiger Zeit schon einmal gehört, an das etwas hinten angesetzt wirkende Ende konnte ich mich aber auch nicht mehr erinnern und war von daher auch etwas erstaunt.
    „Das letzte Sandkorn“ hatte ich kurz zuvor komplett gelesen.
    Ich stimme Dir zu, was die Punkte Gewalt und bei Giersche auch was die Fäkalsprache betrifft.
    Das ist auch meine Sache nicht. Da Ambiente und Motto ja etwas mit „Cyberpunk und ähnlich“ waren, mache ich da dann aber ideologisch Abstriche an meine ansonsten bestehende Erwartungshaltungen.
    Zu Giersche muss ich sagen, dass er wirklich härtere Stellen ausgesucht hat. Von denen gibt es auch noch mehr – aber dabei bleibt es keineswegs im ganzen Buch.
    Es ist jetzt schwierig. Ich möchte da nicht zu sehr spoilern.
    Aber gerade „das“ Ende – hat mich sehr verblüfft. Da hat er sich wirklich etwas einfallen lassen.
    Unerwartetes, aber dennoch nachvollziehbar. Alle Möglichkeiten ausgenutzt, quasi … 🙂
    Ja gut, dass mit Cliffhangern, Fortsetzungen, Leseproben – mag ich auch nicht so arg.
    Aus dem Grund gibt es ja auch keine Leseproben in der Freien Bibliothek Pegasus.
    Z.B. Kuepers Geschichte war ja aber zumindest in sich abgeschlossen und das praktiziert er in der Form ja auch oft so.
    Dass Bernhard Giersche an einer Fortsetzung des ersten Buches (welches insgesamt durchaus auch in sich abgeschlossen ist!) arbeitet, verstehe ich in gewisser Weise. Mich interessiert das weitere Fortkommen der Protagonisten auch irgendwie. Und das der Welt/en. Wird aber keine wirklich leichte Übung, denke ich. Man wird sehen.
    Noch mal hin und her gesprungen: das Cover des Buches hatte ich schon bei der ersten Lesung seinerzeit bemängelt. Und auch mit Bernhard Giersche habe ich über die zwar charakterauthentische, aber teilweise arg ausführliche und drastische Gewalt schon gechattet.
    Bei Kueper mag ich insgesamt die kritische Attitüde und verstehe etliches quasi eher als eine Art Satire, so dass ich hier auf diese Art vieles trotz starker Deutlichkeiten genießen kann.
    Es ist aber ganz sicherlich richtig über den Stil zu informieren! Wer Science Fiction liest und eher recht intellektuelles, verträumtes, romantisches, traumhaftes bevorzugt: ist hier sicherlich falsch!
    MfG
    BukTom Bloch

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    • Natascha Randt schreibt:

      Nun, ich gehe ohne jede Erwartungshaltung irgendwohin. Ich lasse die Dinge auf mich zu kommen und mach mir dann meinen Reim darauf.
      Aber das dann auch noch sagen oder schreiben? Im Leben nicht, ausser das Weichgespülte alles gut und alles schön und voll toll. Abnicken und weitergehen. Nur ja keine Auseinandersetzung mit dem eben Gehört- oder Gelesenen.
      Wie es aussieht, hast du vollkommen recht, ich bin hier sicherlich falsch.

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  2. Zauselina Rieko schreibt:

    Also ich denke dass hier zwei unterschiedliche Sachen in einen Pott geworfen werden. Die eine ist Kritik an den Geschichten, die andere Kritik an der Vorankündigung des Genre.

    Zu ersterer wäre zu sagen, dass Texte natürlich nicht nur einfach „gut“ oder „schlecht“ kategorisiert werden können, sondern auch immer etwas mit persönlichen, also subjektiven Empfindungen zu tun haben. (Mir zum Beispiel gefallen viele Texte von Goethe nicht. Das macht ihn dennoch nicht zu einem schlechten Schriftsteller, und auch diese besagten Texte wandern deshalb noch lange nicht in die Kategorie „schlecht“). JedeR hat das Recht, Geschichten nicht zu mögen. Allerdings scheint es mir auch, dass du die Geschichte nicht richtig verstanden hast, was dann eine Bewertung erschwert. Chauvi-Sprüche der Protagonisten bilden nicht die Meinung des Autors ab, wie auch ansonsten Protagonist und Autor niemals verwechselt werden sollten. Um eine Figur literarisch zu gestalten, bedarf es literarischer Mittel. Das sollte man trennen. Die Figuren als Frauenverächter zu kennzeichnen war Absicht und dient nicht der Lächerlichmachung von Frauen, sondern eher jener Figuren. Zur literarischen Gestaltung gehören auch Übertreibung, Ironie, Sarkasmus etc etc etc

    Zu zweiter ist zu sagen, dass die Lesung als Cyberpunk-Lesung angekündigt war. http://de.wikipedia.org/wiki/Cyberpunk Cyberpunk ist nicht steril und vergeistigt wie Science Fiction, steht eher dem Film Nor nahe, kritisiert Kapitalismus und das skrupellose Verhalten von Großkonzernen, bedient sich dabei einer düster urbanen Kulisse. Aber vielleicht solle man in Zukunft bei Lesungsankündigungen verstärkt darauf achten, auf das Genre hinzuweisen, damit Erwartungshaltungen nicht enttäuscht werden. Deshalb an dieser Stelle: Danke für den Hinweis.

    Noch ein Wort zum Cover: Das Bild ist Geschmackssache. Mein Ding ist es sicher nicht, aber das bestimmen nicht die Autoren der Anthologie, sondern irgendwer im Verlag, der die Gestaltung desselben übernommen hat. Da sollte der Verlag vielleicht in Zukunft auf andere Covergestalter zurückgreifen.

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    • Natascha Randt schreibt:

      Vielen Dank für diesen ausführlichen und zugleich schulmeisterlichen Exkurs.
      Solcherlei Kritik and der Kritik ist einfach unübetroffen, sagt sie doch nichts anderes, als dass ich zu doof bin derlei Vorträge zu verstehen, weil mir ja schon die Voraussetzungen dafür fehlen würden. Und besser mal wegbleiben sollte.

      Das ist gleichermaßen beglückend und erhellend. Sehr erhellend. Fast schon Osram.

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