Schiffe und Mehr – Geobukseon

Eines der bemerkenswertesten Schiffe, das jemals gebaut wurde, war das koreanische Schildkrötenschiff (Geobukseon).
Die Quellenlage ist recht dünn, was das Aussehen und das beim Bau der Schiffe verwendete Material angeht.
Gesichert ist wohl, dass das Geobukseon eine verbesserte, bzw. an seinen Zweck angepasste Version des Panokseon, des „Standardkriegsschiffes“ der koreanischen Marine, war.

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Geobukseon

Die Konstruktion des Schildkrötenschiffes soll von Admiral Yi Sun-sin stammen, der die Pläne für das Schiff nach Zeichnungen oder Plänen von ähnlichen Schiffen entwarf, die etwa 200 Jahre zuvor gebaut worden waren.
Auch wenn Yi nur die Anregung zum Bau dieser Schiffe gegeben haben sollte, so hatte er doch einen guten Grund dafür.

Die japanische Invasion

Nachdem es Toyotomi Hideyoshi gelungen war, den japanischen Bürgerkrieg zu beenden und das Land zu einen, fasste er den Plan, China zu erobern und das Land dann unter den japanischen Fürsten aufzuteilen. Dazu mußte er allerdings seine Truppen durch Korea marschieren lassen, dessen König den Durchzug japanischer Truppen verweigerte.

Am 14. April 1592 begann, mit der Landung eines japanischen Heeres in Busan, der Imjin-Krieg (Benannt nach dem Jahr der japanischen Invasion, 1592). Das koreanische Heer hatte den japanischen Invasoren wenig entgegenzusetzen, so dass nach etwa drei Wochen japanische Truppen die Hauptstadt Hansong einnahmen.

Währenddessen gelang es Admiral Yi Sun-sin jedoch, in einer Reihe von Seeschlachten den japanischen Truppen den Nachschub abzuschneiden. Nicht zuletzt durch den Einsatz der Schildkrötenschiffe. geobukseon_1
Der chinesische Kaiser unterstützte die Koreaner zunächst nur zögerlich, in dem er im Sommer 1592 ein kleines Heer nach Korea schickte, das aber den japanischen Invasoren unterlag. Im Jahr 1593 wurde schließlich ein großes Heer entsandt, das die Japaner zurückdrängte und zu Verhandlungen zwang.
Diese Verhandlunegn zogen sich über Jahre hin, da Hideyoshi unannehmbare Forderungen stellte, zB die Teilung Koreas in einen chinesischen und einen japanischen Teil, eine chinesische Prinzessin als Frau für den japanischen Kaiser usw.
Wanli, der dreizehnte Kaiser der Ming-Dynastie, hatte irgendwann die Faxen dicke und lehnte Hideyoshis Forderungen endgültig ab, was dazu führte, dass die Japaner im Jahr 1597 die zweite Invasion Koreas begannen.

Während die japanische Invasionsarmee, zunächst erfolgreich, durch die Provinz Jeolla zog, fiel Admiral Yi den, gegen ihn gerichteten Intrigen am koreanischen Hof zum Opfer und wurde wegen Hochverrats zum gemeinen Soldaten degradiert. Sein Nachfolger als Oberbefehlshaber der koreanischen Flotte wurde der Kavalleriegeneral und Admiral Won Gyun. Won hatte zuvor an mehreren Seeschlachten unter Admiral Yi teilgenommen. Allerdings war Won auch einer derjenigen, die vehemnt gegen Yi waren und ihn als Feigling, Säufer und Faulpelz hinstellten.
Won Gyun war jedoch weder ein guter Stratege, noch hatte er die nötige Besonnenheit, sich, bevor er in die Schlacht zog, über die Stärke und Lage der feindlichen Flotte zu informieren. So kam es dann, dass Won mit der gesamten kroeanischen Flotte nach Busan zog um sich dort den Japanern zu stellen.

Wons Flotte bestand aus 169 Schiffen, die Flotte der Japaner aus mindestens 500 Schiffen. Trotz dieser Übermacht griff Won umgehend an und bis auf zwölf Schiffe, die schon vor der Schlacht davonsegelten (quasi desertierten), existierte die koreanische Flotte nach der zwei Tage dauernden Seeschlacht von Chilcheonryang nicht mehr. Won Gyon überlebte die Kämpfe ebenfalls nicht.

Als Folge der Niederlage wurde Admiral Yi begnadigt und wiederum als Oberbefehlshaber der, nurmehr aus nur 13 Schiffen bestehenden, koreanischen Flotte eingesetzt.
Zwei Monate nach Wons verheerender Niederlage, gelang es Admiral Yi Sun-sin eine japanische Nachschubflotte, bestehend aus 133 Kampf- und 200 Transportschiffen, in der Meerenge von Myongnyang zu stellen und mehr als 120 Schiffe zu versenken oder irreparabel zu beschädigen. Durch diesen überwältigenden Sieg wurde nicht nur der Nachschub für die japanischen Invasionstruppen abgeschnitten, sondern auch die Seeherrschaft der Japaner beendet.
Bis ins Jahr 1598 konnten die Koreaner ihre Flotte wieder aufbauen, Wanli schickte weitere militärische Unterstützung und Toyotomi Hideyoshi starb im September 1598.

Admiral Yi Sun-sin, der alle Seeschlachten, die er gegen die Japaner geführt hatte, gewann, starb bei einer der letzen Schlachten des Krieges, der Seeschlacht von Noryang, durch die Kugel einer japanischen Arkebuse.

Auf allen Seiten wurde der Imjin Krieg mit unvorstellbarer Grausamkeit geführt.
So wurden von den Japanern etwa, zum Beweis des Erfolges, den gefallenen Gegnern die Nasen abgeschnitten (Die große Anzahl an gefallenen Gegnern ließ es praktikabel erscheinen, nicht wie sonst üblich, die Köpfe einzusammeln) und penibel gezählt, eingesalzen und nach Japan geschickt, wo sie im berüchtigten Mimizuka (Ohrenhügel, vor dem 17ten Jahrhundert Hanazuka(Nasenhügel)) vergraben wurden.
Allerdings wurden, um die Erfolge aufzuhübschen, von den japanischen Einheiten nicht nur die Nasen gefallener Gegner abgeschnitten, auch Zivilisten, Männer, Frauen und Kinder, wurden massakriert um an weitere Trophäen zu gelangen. Zum Teil wurden auch Lebenden die Nasen abgeschnitten.
Zwischen fünzig- und sechzigtausend Koreaner wurden während des Krieges nach Japan verschleppt.
Auch die Chinesen waren nicht gerade zimperlich. So ließ der chinesische General Chen Lin alle Einwohner von Namhae, auf bloßen Verdacht hin sie seien Kollaborateure, ermorden.
Ebenso legten sich die koreanischen Armeen gegenüber der eigenen Bevölkerung keinerlei Beschränkungen auf, beim requieren von Nahrungsmitteln.

Schätzungen gehen davon aus, dass während des Imjin Krieges mindestens eine Million Menschen starben, darunter etwa 700.000 Zivilisten.

Das Schildkrötenschiff

Um in den flachen koreanischen Küstengewässern manövrieren zu können, hatten die Geobukseon, wie die Panokseon, den flachen Rumpf eines Kahns. Die Länge eines Schildkrötenschiffs variierte, je nach Asuführung, zwischen 30 und 37 Metern. Der aus Unter-, Mittel-, und Oberdeck bestehende Rumpf bestand aus Fichtenholz und hatte eine Seitenpanzerung, bestehend aus 10-12 cm dicken Holzplatten bwz -balken.
Die Besatzung bestand jeweils aus etwa 50 Soldaten, zumeist Bogenschützen und 80 Ruderern.
Die Schiffe, mit Rudern und Segeln ausgerüstet, waren schnell und wendig und stark bewaffnet.

Kanonen unterschiedlicher Reichweite befanden sich zu beiden Seiten der Schiffe, sowie am Bug und am Heck. Der Drachenkopf am Bug (später durch einen Schidlkrötenkopf ersetzt) hatte nicht nur psychologische Wirkung, es wurde zudem mit unterschiedlichen Waffen experimentiert, die durch das Maul des Drachen abgefeuert wurden. Wie etwa eine Art Flammenwerfer und Röhren aus denen giftige Dämpfe abgelassen wurden und schließlich auch Kanonen.

Die Besonderheit der Schildkrötenschiffe bestand darin, dass das Oberdeck mit Platten, auf denen eiserne Stacheln angebracht waren, abgedeckt war. Damit sollten die Japaner an der damals üblichen Taktik des Enterns gehindert werden. Ob diese Platten aus Eisen waren ist bis Heute umstritten.

Das Geobukseon in SL

Das Schildkrötenschiff in SL stammt von Aley bzw. Arcadia Asylum und als ich es zum ersten Mal auf einer der Yumix Sims vor Anker liegen sah, war ich schon mal hin und weg.
So ein Schiff hatte ich noch nie gesehen. Turtle ship? Wasn dasn? Damals wusste ich erst gar nicht, das das Schiff ein Freebie von Aley ist.
Schließlich hatte ich es dann im Inventar, juhu!
Erst die Version 4 dann die Version 5. Ich wusste, damit MUSS ich ein Video machen.
Aber erstmal nachforschen was und wie und woher das Schiff stammt. Dabei stieß ich auf den Imjin Krieg, Admiral Yi Sun-sin und Teile der  gut gemachten südkoreanischen Fernsehserie Immortal Admiral Yi Sun Shin, von der man sich Teile (leider nur im Original) auf yt anschauen kann. Dazu kam im Juli der  südkoreanische Film The Admiral: Roaring Currents heraus, ein echter  Blockbuster, der die Seeschlacht von Myongnyang  thematisiert.

The Turtle Ship aus dem Jahr 2012:

Weil das hier ja nur ein kleiner Abriss über das Schildkrötenschiff und den Imjin Krieg sein kann, gibt es mehr und ausführlichere Informationen hier:

In diversen Wikipedias…

…und Büchern:
Schwertgesang Ein Roman von Hoon Kim, erzählt die letzen Lebensjahre.

Fighting Ships of the Far East (2): Japan and Korea AD 612-1639 von Stephen Turnbull und Wayne Reynolds
The Imjin War: Japan’s Sixteenth-Century Invasion of Korea and Attempt to Conquer China von Samuel Hawley

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3 Antworten zu Schiffe und Mehr – Geobukseon

  1. joeysl schreibt:

    Ein Wort: BOOOAAAHH!

    Und noch eines: Danke – für eine unglaublich spannende Geschichtsstunde!

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