Das Gletschermädchen und der Gabelschwanzteufel

Die verlorene Staffel
Im Juli 1942 sollten, im Rahmen der Operation Bolero, sechs Lockheed P-38 Lightning nach Großbritannien überführt werden. Jeweils ein B-17 Bomber übernahm die Führung für je drei P-38.
Am 15. Juli 1942 flogen die Maschinen, die für einen Tankstop zwischengelandet waren, von Grönland Richtung Island. Schlechtes Wetter führte dazu, dass die Navigatoren an Bord der B-17 die Orientierung verloren, und die Staffel nach Grönland zurückkehrte. Bedingt durch Treibstoffmangel konnten die Flugzeuge keinen Flugplatz erreichen und mussten, gut 150 Kilometer von der nächsten Stadt entfernt, auf dem Inlandeis Grönlands notlanden.
Die Besatzungen wurden ein paar Tage später gerettet, die Flugzeuge verblieben jedoch an Ort und Stelle.

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Der Gabelschwanzteufel
Am 23. Juni 1937 entschied sich das United States Army Air Corps für den von Lockheed vorgelegten Entwurf eines zweimotorigen Abfangjägers. Vorausgegangen war eine Ausschreibung an der neben Lockheed auch Boeing, Douglas, Vultee, Consolidated und Curtiss teilnahmen.
Hall Hibbards und Clarence „Kelly“ Johnsons Konstruktion sah ein Flugzeug mit doppelten Leitwerksträgern und einer Rumpfgondel vor, dessen Bewaffnung in der Flugzeugnase untergebracht war. Ein neues und unkonventionelles Konzept.

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Für ein Jagdflugzeug war die P-38 recht groß, 11,53m lang, 3m hoch und die Flügelspannweite betrug mehr als 15 Meter.
Um das Drehmoment auszugleichen drehten die beiden Propeller gegenläufig und zwar vom Cockpit weg. Trotz ihrer Größe war die P-38 extrem schnell und wendig, als erstes Kampfflugzeug flog sie schneller als 640 km/h.

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Allerdings zeigte es sich, dass die ersten Modelle, vor allem bei Hochgeschwindigkeits- bzw. Sturzflügen, den gefährlichen Hang entwickelten, so heftig mit dem Hinterteil zu zittern, dass das Flugzeug kaum noch auf Steuerbefehle reagierte.
Da der Sturzflug also nicht abgebrochen werden konnte, näherte sich die Maschine Mach 0,68, was wiederum einen Hochgeschwindigkeits Stall zur Folge hatte, der das Flugzeug komplett unsteuerbar machte und dem Piloten, sofern er sich noch nicht in die Erde gebohrt hatte, nur noch der Versuch blieb, auszusteigen.
Lockheed löste das Problem schließlich mit dem Einbau spezieller Klappen, sogenannter dive flaps. Im Handbuch der P-38 wurde den Piloten empfohlen, keine zu steilen Sturzflüge in einer Höhe unter 25.000 Fuß einzuleiten, da die Kompressibilität unweigerlich zu einem lock up und damit zum Absturz führen würde.

Den Beinamen Lightning erhielt die P-38 von den Briten, die ursprünglich 143 Maschinen bestellten. Nachdem die britische Luftwaffe jedoch unzufrieden mit den ersten 3 Flugzeugen war, stornierte sie den Auftrag. Lockheed wollte das Flugzeug eigentlich Atalanta (eine jungfräuliche Jägerin der griechischen Mythologie) nennen. Die Briten flogen zwar nun keine P-38, aber der Name Lightning blieb.

Als Begleitjäger für die alliierten Bomberströme über Europa war der P-38 nur relativ wenig Erfolg beschieden. So verlor die 8th Air Force fast alle ihrer 451 P-38. Da den deutschen Piloten sehr schnell aufging, dass die Piloten der P-38
Sturzflüge mieden, mussten sie nur ein halbes Split S fliegen und dann, statt wieder in die Horizontale zu gehen, einen relativ steilen Sturzflug einleiten, um der wesentlich schnelleren P-38 zu entkommen.

Ob ihrer grossen Feuerkraft, vier 12,7-mm-MGs und eine 20-mm-Kanone im Bug und den doppelten Leitwerken, erhielt sie von den deutschen Piloten die Spitznamen „Gabelschwanz“, „Doppelschwanz“ und Gabelschwanzteufel.

Anders war die Situation im Pazifik, mit der P-38 wurden mehr japanische Flugzeuge zerstört, als mit jedem anderen Typ. Japanische Piloten nannten die Lightning Zwei Flugzeuge, ein Pilot.

Mehr als 10.000 Maschinen in 20 Versionen wurden zwischen 1941 und 1945 gebaut. u.a. auch Fotoaufklärer.
Die Lightning war das einzige Flugzeug, das von der US-Luftwaffe während des gesamten Krieges geflogen wurde,

Der berühmteste Pilot einer dieser Aufklärer, war der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry. Am 31. Juli 1944 während eines Fluges von Korsika nach Grenoble stürzte der Schrifsteller ab.

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Das Gletschermädchen
Seit 1942 harrten die Flugzeuge der Lost Squadron auf dem grönländischen Inlandeis der Dinge die da kommen sollten. Zunächst einmal kam Nichts.
Zu Beginn der 1960er Jahre befanden sich die Maschinen wahrscheinlich noch auf dem Eis. Jedoch wurden Teile einer der beiden B-17 Bomber im Jahr 1986 in 72 Meter Tiefe unter dem Eis gefunden. Auch die restlichen Flugzeuge befinden sich in großer Tiefe, im bzw. unter dem Eis.
Fünfzig Jahre nach dem gescheiterten Flug der Verlorenen Staffel konnte die P-38F-1-LO Lightning, 41-7630, c/n 222-5757 geborgen und restauriert werden. Auf den Namen Glacier Girl getauft, wurde das Flugzeug in flugfähigen Zustand versetzt.

Fünfundsechzig Jahre nach ihrer Notlandung in Grönland startete das Gletschermädchen am 27. Juni 2007 von New Jersey aus, um endlich an ihrem Bestimmungsort zu landen.
Am 28. Juni kam es jedoch zu einem Kühlmittelleck im rechten Motor und die Maschine landete in Goose Bay, Labrador. Nach knapp einem Monat Reparaturarbeiten (beide Motoren mussten ausgetauscht werden) kehrte das Gletschermädchen am 23. Juli zurück in die USA. Dort bestreitet sie bis heute ihren Lebensunterhalt auf Flugshows.

Manche Mädchen möchten halt nicht nach Großbritannien:)

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Die Lockheed P-38 Lightning in SL
Ich weiss grad nicht, ob es überhaupt noch eine P-38 in SL gibt, jedenfalls geht es hier um die P38 Lightning von EG Aircraft, bzw Erick Gregan.
Wo soll ich anfangen?
Ok, Flugzeug gekauft und ausgepackt. Was ist drin im Ordner? Zunächst mal 3 Versionen der P-38, die 1.0, die 712 und die Redbull, natürlich Mesh. Dazu noch ein Colorpicker Hud, ein Fallschirm, und eine Rettungsweste. Dazu das Pilotenhandbuch, die Chatkommandos, ein Disclaimer und eine Anleitung wie man die P-38 selber bemalen kann. Alles als Notecards. Dazu gleich eine Anmerkung, in der Bemalungsanleitung hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen, der Link zu den Templates enthält ein überflüssiges Leerzeichen, das zu einem Fehler statt zum download führt. Einfach zwischen dem % Zeichen und der 20 das Leerzeichen löschen und schon klappts. Dazu gibt es noch Gesten für Start und Stop und Bombenabwurf.

Die Gesten sind schon schön, ersparen sie doch das Eingeben der Befehle für Batterie, Treibstoffmischung, Magnetzünder etc. Wie schon bei der Spitfire und der Sopwith Camel ist Realismus, soweit in SL möglich, Trumpf.

Also mal rezzen…WOW! Bei einem LI von 109 bzw 119 hat die P-38 erstmal Raketen geladen. Mit einem Klick aufs Hinterteil der Gondel erscheint ein Menue, zur Auswahl: Raketen, Bomben, Zusatztanks oder Nichts. Ich nehme meistens Nichts, da die Zuladung natürlich auch Einfluss auf das Flugverhalten hat. Wenn man auf die Nase der Maschine klickt, erscheint ein anderes Menue, mit dem man die Farben beeinflussen kann, Tarnfarben, Metallic etc. oder auch Invasionsstreifen, eigene Bemalungen usw usw.
Die Wartungklappen für die Motoren und die Waffen in der Gondel lassen sich per Klick öffnen und schliessen, ebenso die Cockpithaube und die Seitenscheiben.
Die Chatkommandos sind so ziemlich gleich wie bei allen anderen Flugzeugen in SL, dazu gibt es noch weitere. Vor dem Abflug ist der Sicherungsstift unter dem linken Flügel zu entfernen…

Eingestiegen wird, natürlich mit Animation, von hinten. Die Sitzposition lässt sich ebenfalls einstellen. Startgeste und Zack! die Propeller drehen sich, natürlich gegenläufig.
Bremse lösen und langsam zu Start rollen. Wie immer bei Maschinen von EG sehen die Propellerkreise sowas von echt aus, YAY. Der Sound ist, ja, sowie bei der P-38 eben 🙂

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Bisher habe ich nur kleine Hopser gemacht, aber die P-38 fliegt sich recht einfach. Es gibt noch so allerlei Schmakerl, wie etwa „Crash on“. Mit diesem Kommando gibts einen fetten Crash wenn man irgendwo aneckt, reinfliegt oder sonstwas. Aber auch mit „Crash off“ werden ungebührliche Landungen, ich sage mal, mit dem Verlust des Flugzeugs bestraft.

Absolut genial ist es, zu bremsen. Ob auf dem Taxiway oder wo auch immer. Dabei geht das Bugfahrwerk so richtig schön in die Knie.

Über die Fülle an Details habe ich mich ja schon ausgelassen, aber wenn ich das richtig gesehen habe, funktionieren auch alle Anzeigen im Cockpit.

Also ich bin begeistert von der P-38, echt mal!

Aber wer sich selbst überzeugen möchte, hier gibt es einen Demorezzer:
EG Aircraft
…und nicht vergessen noch ist Christmas Sale

Blue skies!

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4 Antworten zu Das Gletschermädchen und der Gabelschwanzteufel

  1. joeysl schreibt:

    Wow, da hab ich ja echt mal was gelernt. Toller Beitrag!

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  2. Balthasar schreibt:

    Merci vielmals 🙂 Ein Tip: Wer in der Nähe von Salzburg woht oder sonst wie die Gelegenheit hat, kann sich die von der ollen Fliegetante erwähnte P-38 am Salzburger Flughafen in der Redbull Dependance (Hangar 7) gelegentlich live anschauen. Da Redbull Staffel ob der Brause Milliarden zudem, sagen wir mal, in Österreich einige Flugrechte hat, hatte ich schon das Vergnügen, die P-38 über den Tauern mit anderen Maschinen in „Aktion“ zu sehen.

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