Askeladden – von Tromsø nach Tempelhof

Askeladden ist der Held zahlreicher norwegischer Volkssagen.
Der Name ist ein Konstrukt aus Asche und Bursche, das von Moltke Moe, einem norwegischen Folkloristen, anstelle des etwas kruden Oskefisen (etwa Aschepups), bzw. Askepott, eingeführt wurde. Eine gewisse Ähnlichkeit mit Aschenputtel ist vorhanden.

Das in die Asche pusten, war eine niedere Hausarbeit, die dafür sorgte, das quasi das Herdfeuer nicht erlosch und wurde denjenigen Familienmitgliedern aufgetragen, die zu schwach oder zu „dumm“ waren, andere Arbeiten zu erledigen. In vielen Geschichten ist Askeladden der jüngste dreier Brüder, ein Tagträumer, der den lieben langen Tag vor dem Feuer sitzt, darin herumprockelt und über „unwichtiges“ nachdenkt, statt sich nützlich zu machen.
Allerdings ist Askeladden zum Schluß immer der Gewinner und siegt, wo seine älteren und stärkeren Brüder versagt haben. Askeladden bekommt die Prinzessin und zuweilen auch ein halbes Königreich. Letztlich ist der Askeladden ein Freidenker, ein Individualist, ein Freigeist der bereit und in der Lage ist, auch über den Tellerand zu schauen.
Das mal dazu:)

Und wie kommt nun Askeladden nach Tempelhof?
Ju 52 LN-KAF
Nicht so ganz einfach, sondern über viele Umwege und die Reise dauerte etwa 50 Jahre.

Im Jahr 1936 wurde in Dessau eine Junkers Ju 52 fertigestellt, die den Namen Fritz Simon und die Kennung D-AQUI erhielt. Simon war ein Pilot der damaligen Deutsche Luft Hansa AG, der 1931 bei einem Flug tödlich verunglückte.

Ende 1936 wurd das Flugzeug an die norwegische Fluggesellschaft Det Norske Luftfartselskap A/S (DNL) verkauft und dort auf den Namen Falken umgetauft. Die neue Kennung war nun LN-DAH. Nach der Besetzung des neutralen Norwegen durch deutsche Truppen im Jahr 1940, wurde die Falken konfisziert und zurück nach Deutschland gebracht, wo sie zurück an die Lufthansa ging und den Namen Kurt Wintgens erhielt. Wintgens war, bis zu seinem Tod im Jahr 1916, einer der erfolgreichsten deutschen Jagdflieger neben Boelcke und Immelmann.
Ju 52 LN-KAF
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges, gaben die Allierten das Flugzeug an Norwegen zurück, wo die nun in Askeladden umgetaufte Ju 52 für die SAS (Scandinavian Airline System, heute Scandinavian Airlines) von 1948 bis 1956 die Strecke Tromsø – Kirkenes (und zurück) flog.

Nach ihrer Ausmusterung stand die Askeladden eine zeitlang auf dem Flughafen Oslo, Fornebu herum, bevor sie 1957 an die ecuadorianische Fluggesellschaft Transportes Aéreos Orientales (TAO) verkauft wurde. Unter dem neuen Namen Amazonas flog die Ju nun jahrelang von Quito in das Amazonasgebiet. Im Jahre 1963 wurde die Maschine, ob ihrer zu geringen Ladekapazität, wiederum ausgemustert. Diesmal dauerte der Dornröschenschlaf auf dem Flughafen von Quito sechs Jahre.

Solange, bis der ehemalige US-Airforce Pilot Lester Weaver die Maschine entdeckte und für etwa 52.000 US-Dollar kaufte. Aus der ecuadorianischen Kennung HB-ABS wurde nun N130LV, jedoch erhielt das Flugzeug nur eine Zertifizierung als „experimental“.

Für denselben Preis, den Weaver bezahlt hatte, kaufte der amerikanische Autor Martin Caidin Weaver die Ju 1975 ab.
Jetzt hörte die Maschine auf den Namen Iron Annie, kam nach Florida und wurde von Caidin bei zahlreichen Flugshows eingesetzt, wo sie einige Rekorde erzielen konnte (kürzester takeoff einer Ju 52/3m etc).
Ju 52 LN-KAF
Im Jahr 1984 erwarb die Lufthansa das Flugzeug und brachte die Ju zurück nach Deutschland. Nach einem Jahr erhob sich die Junkers Ju 52/3m wieder in die Lüfte. Mit der Lufthansalackierung der 1930er Jahre und der Kennung D-AQUI auf den Rumpfseiten und den Flügeln. Die richtige Kennung D-CDLH steht kleiner auf den Rumpfseiten.
Junkers Ju 52/3m
Die Junkers 52/3m „Berlin Tempelhof“, eine der letzte flugfähigen Maschinen dieses Typs, ist zudem das letzte Flugzeug, das von eben jenem Flugplatz gestartet ist, bevor er endgültig geschlossen wurde.

So kam Askeladden von Tromsø nach Tempelhof.
Junkers Ju 52/3m

Blue skies!

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5 Antworten zu Askeladden – von Tromsø nach Tempelhof

  1. Kjs Yip schreibt:

    Ich lese die „blue skies notes“ ja nicht regelmäßig (im Gegensatz zu fast allem anderen von Dir!), aber wenn, ja dann bin ich jedesmal zutiefst erstaunt, was man alles über son Flieger wissen kann … ;-)) kjs

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    • Natascha Randt schreibt:

      Ich finde es immer spannend zu entdecken, was hinter so einem Flugzeug steckt, welche Geschichten es zu erzählen hat. Da führt eine kleine Recherche dann von schnell von Höcksken auf Stöcksken und irgendwie ist alles faszinierend, vor allem, wenn so eine Geschichte dann auch noch ein Happy End hat:)

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  2. joeysl schreibt:

    Huiuiui, was für ein Hin- und Her – sicherlich angemessen für ein Flugzeug, aber mir wird da ganz schwindelig 😀 Tolle Bilder, Nat!

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    • Natascha Randt schreibt:

      Angemessen für ein Flugzeug? Wasn jetzt? Die Geschichte? Die ist nun mal so, wie sie ist. Vielleicht schreibe ich nächstesmal eine Warnhinweis: Vorsicht, viele Ortswechsel!

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      • joeysl schreibt:

        Na, Flugzeuge fliegen halt hin und her, schon klar. Aber dass dieses so viele verschiedene Heimatflughäfen und Namen und so weiter hatte – bewegte Vergangenheit 🙂

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