SF Sommer 2016: Dana, Jacques, der Dämon und die Runen

Eigentlich gehört Night of the Demon (Der Fluch des Dämonen) aus dem Jahr 1957 nicht zur Science Fiction, wurde aber vor allem in den USA in „Double Features“, also Doppelvorführungen, in den Kinos gezeigt.

Dafür wurde der Film dann auch um 12 Minuten gekürzt. Der deutsche Titel des Films, lief übrigens nie in deutschen Kinos, ist die Übersetzung des US-amerikanischen Titels Curse of the Demon.

Der Fluch des Dämonen

Der Fluch des Dämonen ist mittlerweile nicht nur ein Kultfim und Klassiker des „denkenden Horrorfilms“, der Film funktioniert auch heute noch. Na gut, abgesehen von dem Dämon. Der auch die einzige Crux des Films ist.
Die Legende will es, dass Regisseur Jacques Tourneur dagegen war, den Dämon im Film zu zeigen, aber Produzent Hal E. Chester den Dämon unbedingt zeigen wollte, Und wie es so geht, ist der Dämon zweimal im Film in all seiner „Pracht“ zu sehen.

Eigentlich ist es nur zu verständlich, dass Tourneur of den Dämon verzichten wollte. Hatte er doch mit Cat People einen der Klassiker des Genres geschaffen. Produziert wurde der RKO -Film von Val Lewton, der auch die Vorlage, die 1930 erschienene Kurzgeschichte „The Bagheeta“ verfasst hatte.

Vladimir Ivan Leventon (Val Lewton), ein aus Russland stammender Filmproduzent, der 1942 die Leitung der Horrorfilmabteilung der RKO übernahm, schuf, oder erfand, das Genre des „denkenden Horrorfilms“. Da ihm einige Auflagen gemacht wurden (unter anderen durfte ein Film das Budget von 150.000 U$ Dollar nicht sprengen) machte er aus der Not eine Tugend und so schleicht sich der Horror langsam in den Kopf des Zuschauers, anstatt ihn auf der Leinwand direkt zu sehen.

Wenn zum Beispiel in Cat People ein Panther durch das Schwimmbad schleicht, so ist nur dessen Schatten zu sehen, aber du weißt, was gleich kommen wird…

Casting the Runes

Die Vorlage zu Der Fluch des Dämonen ist die im Jahr 1911 in More Ghost Stories erschienene Kurzgeschichte Casting the Runes von M.R. James (Montague Rhodes James).

James, eigentlich ein Mittelalterforscher, hob mit seinen Geister- und Horrorgeschichten das Genre aus der Schauerromantik in die Moderne. Seine Protagonisten sind oft Gelehrte oder Antiquare, die durch das Öffnen oder Entziffern oder auch Auffinden uralter Schriften, Bücher oder Gegenstände, das Unheil, zuweilen unabsichtlich, aus dem Jenseits heraufbeschwören. Und James Dämonen und Geister sind heimtückisch, hinterhältig und böswillig.
Night of the Runes
Edward Dunning aus Casting the Runes, ist ein Forscher am Britischen Museum, der sich mit allerlei aus dem Reich des Übersinnlichen befasst, Alchemie, Hexenzauber, Teufelskulte und was es derlei mehr gibt.
Ein gewisser Karswell, Alchemist und Okkultist hatte eine Abhandlung namens The Truth of Alchemy an das Museum geschickt, welches sie dort prompt an Dunning, zwecks Begutachtung weiterleiten. Dunning schreibt einen geharnischten Verriss, woraufhin er anfängt den Namen John Harrington wo er geht und steht, zu sehen.
Einige Nachforschungen später stellt sich heraus, dass Harrigton bei einem merkwürdigen Unfall starb, nachdem er ein anderes Werk Karswells vernichtend kritisiert hat.
Dunning findet heraus, das er von Karswell mit einem Fluch belegt wurde und hat nur noch kurze Zeit sich von diesem Fluch zu befreien.

Ähnlich wie in der Geschichte geht es auch im Film zu. Nur heißt Dunning nun Dr. John Holden und ist ein amerikanischer Parapsychologe, gespielt von Dana Andrews, der nach England reist um an einem Kongress teilzunehmen, der sich mit übernatürlichen Phänomenen befasst.
Holden ist Realist und versucht all diese „Phänomene“ rational zu erklären, gerät aber mit Karswell, dem Oberhaupt eines Teufelskultes aneinander…

Wie ich schon schrob, funktioniert Der Fluch des Dämonen auch heute noch (bis auf den Dämon). Eine der wirklich gruseligen Szenen ist die, als Karswell und Holden sich im Park unterhalten (Karswell in einer Art Clownkostüm,, der als Dr. Bobo die jährliche Halloweenparty für die Kinder des Dorfes abhält) und Karswell anscheinend einen Sturm heraufbeschwört…

Karswell macht solche Sachen andauernd, wie zB kurz zuvor für die anwesenden Kinder zu „zaubern“. Nur das das keine Taschenspielertricks sind, sondern echte Magie, was Holden natürlich nicht glauben kann und will.
Night of the Runes

Schließlich findet Holden heraus, was es mit dem Blatt Papier und den Runen darauf auf sich hat.

Dana Andrews

Dana Andrews, der in den 1940er Jahren in Filmen wie Laura, Die besten Jahre unseres Lebens oder Der Ritt zum Ox-Bow mitspielte, war später nie mehr in großen Produktionen zu sehen, war aber in B-Movies präsent oder hatte kleinere Nebenrollen in Filmen wie Giganten am Himmel.

Jacques Tourneur

Regisseur Jacques Tourneur schuf 1947 mit Out of the Past (Goldenes Gift) ein Meisterwerk des Film Noir. Tourneur, hatte schon zuvor für RKO gearbeitet und dabei Meilensteine des Horrorfilms gedreht. Den schon erwähnten Cat People und I Walked with a Zombie (Ich folgte einem Zombie). Letzterer befasst sich nicht mit Zombies wie wir sie heute kennen und erwarten, sondern mit Voodoo.
Seinen ersten Farbfilm, den Western Feuer am Horizont (Canyon Passage), drehte Tourneur im Jahr 1946. Der hochgelobte Film hatte ein Budget von mehr als 2 Millionen U$. Die Hauptrolle des Logan Stewart spielte Dana Andrews.
Nachdem es zu Differenzen bei der Produktion von Stars in My Crown, ebenfalls einem Western, zwischen dem Studio und dem Regisseur kam – Tourneur waren Dinge wie Einspielergebnisse so ziemlich egal –  arbeitete Tourneur als freier Regisseur.

Der letze Hollywoodfilm Tourneurs war Comedy of Terrors (Ruhe Sanft GmbH). Der 1963 entstandene Film ist eine Parodie oder besser Horrorkomödie, die drei der besten Gruselfilmaktuere vereint, Boris Karloff, Vincent Price und, nicht zuletzt Peter Lorre.

Der Film nimmt eine Menge von Roger Cormans Poe Verfilmungen auf die Schüppe und das ist es, was den Film so richtig sehenswert macht.

Tourneur arbeitete noch bs 1966 fürs Fernsehen (Twilight Zone, Bonaza etc.) setzte sich dann zur Ruhe und kehrte nach Frankreich zurück.

Peggy Cummins

Die weibliche Hauptrolle der Joanna Harrington spielte die irische Schauspielerin Peggy Cummins. Nachdem Cummins 1940 mit 15 Jahren ihr Filmdebut gab, spielte sie 1944 an der Seite von Lilli Palmer in der Komödie English Without Tears.
Mit zwanzig ging Peggy Cummins nach Hollywood. Sie drehte dort fünf Filme, denen bis auf Gun Crazy nur mäßiger Erfolg beschieden war. 1950 kehrte sie nach Großbritannien zurück.
Mit Dana Andrews, den sie während der Dreharbeiten zu Der Fluch des Dämonen kennenlernte, verband sie eine Freundschaft bis zu Andrews Tod im Jahr 1992.
Mit Ihren mittlerweile 90 Jahren ist Peggy Cummins die einzige noch lebende Person, die an der Produktion von Der Fluch des Dämonen beteiligt war.

Gruselfilme

Spannend und gruselig zugleich, in einer Schwarzweißfotografie  die Cat People noch übertrifft, ist  Night of the Demon nicht nur der englischste aller Horror- bzw. Gruselfilme, sondern mit Night of the Eagle, nach Fritz Leibers Conjure Wife und Village of the Damned, basierend auf John Wyndhams The Midwich Cuckoos auch einer der besten Gruselfilme aller Zeiten, jedenfalls für mich.

Schon das Intro macht Gänsehaut.
Wenn, zu Bildern von Stonehenge, diese Gruselmusik einsetzt und der Sprecher aus dem Off mit bedeutungsschwerer Stimme beginnt: „It has been written…since the beginning of time…“

SF Sommer 2016

Und damit zurück zum Science Fiction Double Feature:
„Dana Andrews said prunes gave him the runes, and passing them used lots of skills“
Night of the Runes

Der Dämon auf dem Poster ist eine Maske von Contraption, namens Scowling Leviathan, die ich seit 2012 im Inventar rumliegen habe. Der Steinkreis ist aus Punky Pugilists Keltendorf und ich glaube noch älter:)

Meine Güte, wenn ich mit ein bisschen Recherche anfange, fällt mir ein was ich schon alles gelesen und gesehen habe… 🙂

Schönes Wochenende 🙂

P.S. War das vielleicht zuviel Text, oder zu wenig Informationen, oder gar zu laaaangweilig? Weil, eigentlich gäbe es noch viel mehr dazu zu sagen, zu schreiben zu dingsen

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bild, Deutsch, Fun, GIMP, Kultur abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu SF Sommer 2016: Dana, Jacques, der Dämon und die Runen

  1. Spannend, informativ und unterhaltsam war es es zu lesen liebe Nat! Aba frag mich jetzt bloß nicht nach den Details wie Jahreszahlen und Namen ab 🙂

    Gefällt mir

  2. joeysl schreibt:

    Nee, gar nicht zu viel, ist super! Klasse Bilder, mit dem Poster wäre der Film auch hier ein Hit geworden. Ganz großes Kino ist das Bild vom Wald!

    Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.