Nachtjäger – Messerschmitt Bf 110 G-4

Nach der C und der G-2   Version nun also Messerschmitt Bf 110 G-4.  Die dreisitzige Maschine wurde als Nachtjäger entwickelt.  Ausgerüstet mit dem  Liechtenstein Gerät, einem von Telefunken entwickeltem Bordradar, und der sogenannten Schrägen Musik, avancierte die G-4 zum Rückgrat der deutschen Nachtjagd.

Um der britischen Bomberströme, die des Nachts deutsche Städte verwüsteten, Herr zu werden, entwickelte der zum General der Nachtjagd ernannte Josef Kammhuber die von den Alliierten so genannte Kammhuber-Linie.

Diese etwa eintausend Kilometer lange Verteidigungslinie bestand aus Radarstationen, Flak- und Scheinwerferbatterien, Horchposten und Nachtjagdflugzeugen. Damit konnten Nachtjäger an die sich im Anflug befindlichen britischen Bomber herangeführt werden.

Die Briten fanden jedoch bald mehrere Maßnahmen um die Kammhuber-Linie zu überwinden und die Verlustrate an Bombern und Besatzungen möglichst gering zu halten. Ein davon war das Abwerfen sogenannter Düppel, bzw. Chaffs, oder Window (britischer Codename).

Bf 110 G-4 Night Fighter

Alle kriegsführenden Parteien hatten diese Methode der Radarstörung entwickelt, aber keine Seite wollte sie zunächst einsetzen, um die Geheimhaltung zu wahren.

Interessant ist dabei die deutsche Bezeichnung Düppel.  Sie hat überhaupt keine Bedeutung, geht sie einzig darauf zurück, dass die Versuche mit Staniolstreifen in der Nähe von Berlin-Düppel durchgeführt wurden.

Um nun ein Radar mittels Düppel effektiv zu stören, werden Massen von Aluminiumstreifen abgeworfen. Die Streifen sollten halb so lang wie die Wellenlänge des zu störenden Radargerätes sein, weil die zum Radargerät zurückgeworfenen Echos es dann unmöglich machen, ein falsches  von einem richtigen, dem eines Flugzeuges, zu unterscheiden.

Dazu ist es natürlich nötig, die Wellenlänge des Radars zu kennen. Die Radargeräte der Kammhuberlinie waren zunächst die, ebenfalls von Telefunken entwickelten, „Würzburg Geräte“. Die Briten fanden die Wellenlänge der Würzburg Geräte heraus, als sie Anfang 1942 die Operation Biting durchführten. Ein Kommandounternehmen bei dem Teile eines, in der Normandie stationierten, Würzburg Gerätes erbeutet, sowie einige Gefangene gemacht werden konnten. Die Wellenlänge des Würzburg Gerätes betrug 53,6 cm.

Während der Operation Gomorrha, der flächendeckenden Bombardierung Hamburgs im Jahr 1943, warfen die Briten 40 Tonnen Düppel ab, mehr als 90 Millionen Stanniolstreifen.

Die Deutschen fanden relativ schnell Gegenmaßnahmen, da sich Düppelwolken im Gegensatz zu Flugzeugen nur langsam bewegen, wurden bald Radargeräte entwickelt, die den Doppeleffekt messen und somit falsche von richtigen Echos unterscheiden konnten. Als am Effektivsten erwies sich, naturgemäß, die ‚Umstellung auf andere Wellenlängen.

Da der Funker durch das stundenlange Starren auf das  Radargerät nachtblind wurde und somit nicht mehr als Bordschütze fungieren konnte, beschloss man im Jahr 1944 einen dritten Mann mitzunehmen. Der erste Flugzeugwart übernahm die Rolle des Bordschützen. Das machte es für die Besatzung in der engen Kabine nicht einfacher. Während der Funker einen Rückenfallschirm trug, musste der Bordschütze mit einem Bauchfallschirm vorlieb nehmen.

Noch enger wurde es durch den Einbau der Schrägen Musik. Zwei 20mm Maschinenkanonen, die eine Schrägstellung von etwa 70° hatten, schossen durch das Kabinendach nach oben.

Bf 110 G-4 Night Fighter

Da insbesondere die britischen schweren Bomber, wie die Lancaster oder die Halifax keine Bauchgondel zur Abwehr nach unten hatten, konnten sich die mit der  Schrägen Musik ausgerüsteten Nachtjäger von hinten unten „heranschleichen“ und das Feuer auf die linke Tragfläche eines Bombers eröffnen. Je nach  Munition genügte ein einziger Feuerstoß um den Bomber explodieren, bzw. die Tragfläche abmontieren zu lassen.

Um für den Gegner möglichst unsichtbar zu bleiben, wurden die Nachtjagdversionen der Bf 110 mit Auspuff-Flammendämpfern ausgerüstet. Diese und die „Hirschgeweih“ genannten Radarantennen reduzierten nicht nur die Geschwindigkeit der Flugzeuge um bis zu 50 km/h, sie führten auch zu einer gewissen Instabilität, die durch die Vergrößerung der Seitenleitwerke ausgeglichen werden sollte.

Bf 110 G-4 Night Fighter

Die Messerschmitt Bf 110 G-4 kommt demnächst auf den Markt, mit unterschiedlichen Lackierungen, natürlich Schräger Musik, Vice und MCE und so allerlei mehr.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Deutsch, Flugzeug, Germany, Kultur, Motorflugzeug, WWII abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.