Zeiteisen

Ein Zeiteisen, vulgo Chronometer oder Uhr, ist ein Gerät, mit dem der aktuelle Zeitpunkt festgestellt werden kann. Mit einem Zeiteisen ist es auch möglich eine bestimmte Zeitspanne zu messen.

Es gibt unterschiedliche Zeiteisen, die auch unterschiedliche Zeiten messen oder Zeitpunkte angeben.
Armband-, Taschen- und Sonnenuhren. Feuer-, Wasser-, Sand- und Atomuhren.
Stand-, Wand-, Tisch-, Turm-, Pendel-, Taucher- und Fliegeruhren. Zum Teufel, es gibt sogar Kuckucksuhren.

Uhren gehen nicht. Niemals nirgendwohin.
Und doch können Zeiteisen vor-, genau-, oder nachgehen und sogar stillstehen.

Wie ich oben schrob, kann mit einer Uhr ein Zeitpunkt festgestellt werden. Seit Albert Einstein und der Einführung der Mitteleuropäischen Sommerzeit weiß jedes Kind, dass Zeit relativ ist.
Anders gesagt waren die Leute früher, als alles noch aus Holz war, der unumstößlichen Meinung, dass die Zeit eine Art Konstante sei, die, unbeeinflußt von allem was sich in der Natur umtut, so vor sich hinfließt.
Dann kam Albert Einstein und mischte die Physik erstmal gründlich auf. Es gibt gar nicht die eine wahre, mathematische, unbeeinflußte Zeit.
Zeit liegt im Auge des Betrachters, sozusagen.

Seit Anbeginn der Zeit (kicher), haben sich die Menschen Gedanken über die Zeit als solche und auch über die Einteilung in gewisse Zeitspannen gemacht. Dabei gibt es ganz einfache wie etwa Tag und Nacht, zwei bis vier Jahreszeiten (je nach Standort, was wieder auf die Relativität der Zeit hindeutet). Mondphasen (Vollmond, Halbmond, Neumond (wieso heißt der eigentlich nicht Leermond?). Ebbe und Flut. Sonnenwenden.

Daraus resultierten dann mehr und mehr Versuche das Wesen der Zeit zu erfassen und einzelne Punkte, sogenannte Zeitpunkte, darzustellen. Das führte dann endlich zur Erfindung der Bahnhofsuhr. Durch dieses Zeiteisen ließ sich nämlich feststellen um wieviele Tage, später dann Minuten, ein Zug zu spät dran war.

Bis es soweit war, eine Bahnhofsuhr zu bauen, floß natürlich viel Wasser den Rhein runter. Zuerst musste mal das Jahr erfunden werden, was sich etwas kompliziert gestaltete.
Ein Jahr im astronomischen Sinn ist gleich der Dauer des Umlaufs eines Objekts um einen Stern. Das ist logisch und leicht nachzuvollziehen. Damit lässt sich unter anderem feststellen wieviele Jahre seit einem bestimmten Zeitpunkt vergangen sind.

Um irgendwo anzufangen wurde ein Jahr Null definiert.
Jedoch nur für Astronomen. Historiker kennen kein Jahr Null.
Ein Mönch rechnete aus, dass die Geburt Jesus von Nazareth im Jahr 754 (seit der Gründung Roms) stattfand und bezeichnete dieses Jahr mit einer 1. Alle darauffolgenden Jahre erhielten den Zusatz n.Chr.
Jahre vor dem Jahr 1 erhielten den Zusaz v.Chr.
Astronomen rechnen anders, weshalb bei ihnen das Jahr vor 1 n.Chr. das Jahr 0 ist und nicht das Jahr 1 v.Chr.
Verwirrend? Ja! Aber es kommt noch besser.

Ein Jahr ist erst einmal etwas willkürlich festgelegtes. Nämlich die Zeit, die die Erde braucht, um einmal die Sonne zu umlaufen.
Ein Sonnenjahr.
Das Problem dabei ist, dass ein Sonnenjahr sich nicht auf ganze Tage herunterrechen lässt. Es ist damit auch nicht möglich ein Konzept zu haben, dass ein Jahr eben aus soundsovielen Tagen besteht. Damit wäre ein verlässlicher Kalender (Eine Übersicht aller Tage, Monate und Wochen eines Jahres) unmöglich.

Ein Sonnenjahr hat so ungefähr 365 Ganze und einen Vierteltag. Das erkannten die alten Ägypter und führten das Schaltjahr ein. Alle vier Jahre hatte ein Jahr einen Tag mehr. Damit wurde das eigentliche Jahr zum Gemeinjahr. Und das Kalenderjahr besteht aus zwei Arten, dem Gemeinen und dem Schalt.

Soweit so gut.
Nicht so gut, weil da sind ja auch noch die Monate. Ein Monat ist, im astronomischen Sinn die Zeit, die ein natürlicher Satellit braucht, um eine Objekt vollständig zu umlaufen.
Weil unser natürlicher Satellit, Mond genannt, aber zu doof ist, die Erde in ganzen Tagen zu umlaufen, gibt es schon wieder ein Problem. Ein Mondumlauf dauert zwischen 27⅓ und 29½ Tage. Und selbst das ist eine Frage der jeweiligen Definition.

Weil der Mond aber oft am Himmel zu sehen und die Veränderung seines Lichts gut zu beobachten ist, kam es den Leuten in der Vorholzzeit gelegen, das Jahr in Mondumläufe einzuteilen. Geht halt schneller als die Sonne zu beobachten.
Als sich aber die Menschheit mehr und mehr dem Ackerbau und der Viehzucht zuwandte, wurde die Sonne wichtiger als der Mond und deshalb wurde das Sonnenjahr wichtiger.

Weshalb die Monate im heute gebräuchlichen Kalenderjahr nichts mehr mit den eigentlichen Mondumläufen zu tun haben. Allerdings ist es natürlich bequem, das Jahr in 12 Mondumläufe einzuteilen und damit die Monate zu erhalten. Unbequem ist natürlich, dass Monate dadurch unterschiedlich viele Tage haben müssen.

Julius Cäsar übernahm das ägyptische Sonnenjahr für das Römische Reich. Die Römer waren ziemlich faul was ihren Kalender anging. Ihr Mondkalender wurde nur so ab und an dem Sonnenjahr angeglichen.
Als es Cäsar damit zu dumm wurde, räumte er mit der Verwirrung so gewaltig auf, dass das Jahr 708 a.u.c. (seit der Gründung Roms), also das Jahr 46 v.Chr., genau 445 Tage lang war.
Weshalb es auch als das Verworrene Jahr in die Geschichte einging.
Danach war alles gut, mit Schaltjahr und allem. Dann jedoch wurde Cäsar ermordet und die Pontifices, die sich um den Kalender zu kümmern hatten, waren entweder zu doof, zu betrunken oder hatten die Zählung bis zum nächsten Schaltjahr einfach nur falsch verstanden.
Damals war ja auch noch alles aus Holz, auch die Zaunpfähle, weshalb die Pontifices auch den Zaunpfahlfehler machten und die Jahre inklusiv zählten. Logik war damals noch nicht allen zugänglich…

Na gut ein Beispiel für das Zaunpfahlproblem, bei dem es eigentlich um Zaunpfähle geht…aber, ach egal hier:
Nehmen wir an, wir wollen von heute an das nächste Schaltjahr bestimmen.
Alle vier Jahre ist ein Schaltjahr. 2016 ist auch eines. So, nu zähl mal:
2016, 2017, 2018, 2019 = 4 Jahre.
Also ist 2019 ein Schaltjahr. Ist es nicht, ich schwör‘ 🙂

So etwas wird Inklusivzählung genannt und ist bei Dingen richtig, bei Distanzen aber kommen falsche Werte zustande.
Bei dieser Zählerei wird nämlich die Null mit der Eins verwechselt. Fange ich mit 2016 an, so ist entweder 2016 = 0, 2017 dann 1 usw. oder ich lasse 2016 gleich aus und 2017 ist 1. Logisch oder?

Jedenfalls wurde der julianische Kalender nicht nur deshalb im Laufe der Zeit immer obsoleter, sondern auch dadurch, dass ein Sonnenjahr eben nur annähernd 365 und sechs Stunden lang ist. Das Schaltjahrproblem des julianischen Kalenders, ausgelöst durch die Inklusivzählung, wurde durch den römischen Kaiser Augustus schließlich korrigiert.

Weil die Römer aber die Bahnhofsuhr noch nicht erfunden hatten, ging der julianische Kalender immerhin noch fast 11 Minuten, im Verhältnis zu unserem heute gebräuchlichen Kalender, der auf dem tropischen Jahr beruht, vor.

Das summiert sich natürlich nach ein paar Jahrhunderten auf eine stattliche Zahl von Tagen. Im Jahr 1582 waren es beinahe schon zwei Wochen, so dass der damalige Papst Papst Gregor XIII. eine weitere Kalenderreform per päpstlicher Bulle einführte.
Gar nicht doof, ist der gregorianische Kalender nicht viel anders als der julianische, aber flexibler und eben für die Zukunft gefestigt. Durch die von Gregor eingeführte Regelung geht das Kalenderjahr nur etwa 11 Sekunden vor, so das eine Korrektur erst in ferner Zukunft nötig ist.

Sinnigerweise lehnten Protestanten den neuen Kalender erstmal ab – kommt vom Papst= Kann nichts Gutes sein – schließlich setzte sich der gregorianische Kalender dann doch weltweit durch. Nebenher wurde noch verlangt, dass das Jahr gefälligst am 1.Januar zu beginnen habe, damit auch diesem Durcheinander (Jahresanfang an Ostern oder Weihnachten oder Wintersonnenwende usw.) ein Ende sei.
Endgültig durchgesetzt als Jahresbeginn wurde der 1.Januar mehr als einhundert Jahre später von Papst Innozenz XII.

Damit steht das bürgerliche, bzw. Kalenderjahr fest.
Aber es gibt auch noch andere Jahre
Das Schul-, Geschäfts-, und Geburtsjahr und es gibt Lehrjahre, die keine Herrenjahre sind undsoweiterundsofort.
Es gab und gibt also vielerlei Versuche die „richtige“ Zeit zu messen, im großen wie im kleinen, aber was ist nun das Wesen der Zeit?

Ist Zeit das, was Platon beschreibt? Eine Art beständiger Fluss der durch ein gleichbleibendes Flussbett fließt?
Geht es immer nur vorwärts in der Zeit?
Was ist mit Zeitmaschinen und Zeitreisen?
Fragen über Fragen die der Antwort harren, während die Zeit verrinnt… 🙂

Einige schöne Zeiteisen habe ich auch in meinem Inventar, neben der schon gezeigten in Nerdzeugs, habe ich auch noch diese Navigatoruhr von Kunst. Und die ist wirklich Kunst:). Alles, wirklich alles kann per HUD eingestellt werden.
navigatorwatch

Und auch wenn Uhren nicht echt laufen können, die Uhr geht. Und zwar genau, fragt sich nur, wohin. So relativ gesehen:)
navigatorwatch

Das Allerwichtigste ist, auch und gerade in der „heutigen“ Zeit, hör einfach auf deine innere Uhr.
Denn die Lebenszeit ist begrenzt und viel zu schade um irgendwelchem Mist hinterherzuhecheln, sich über Dinge zu ärgern die man nicht ändern kann oder sich diffuse Ängste einjagen zu lassen.
Oder gar an „verkaufsoffenen“ Adventssonntagen Zeit in irgendwelchen Konsumtempeln zu verschwenden.

Da fällt mir ein, heute ist ja der erste Advent und ich könnte nochmal den Elch fragen was der dazu sagt:
reindeer_001
„Rentier, ich bin ein Rentier, sie Idiot!“

Der kann auch nix anderes sagen. Entweder in einer Zeitschleife oder einer temporalen Anomalie gefangen…

Schönen ersten Advent!
Und nicht die Urzeit mit der Uhrzeit verwechseln ;-p

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4 Antworten zu Zeiteisen

  1. buktombloch schreibt:

    Guten Tag.
    Ausgezeichnet! Sehr lehrreich und amüsant geschrieben.
    Btw. gibt es auch ein Buch zum Thema:
    https://marketplace.secondlife.com/p/UHR-Welten-Begriffe-Personen-Arten-5-Prim-Umbltterbuch-NC-reich-illustriert/5914202

    MfG
    BTB

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  2. Atlan Bade schreibt:

    Zeitloser schöner Post!
    Da fällt mir doch spontan „Time“ von Pink Floyd dazu ein:

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