Rule of thirds – Mit Gimp

Die Herrschaft der Drittel? So ähnlich. Genauer: Die Drittel-Regel.
Die Drittel-Regel hilft bei der Gestaltung eines Bildes und ist einfacher anzuwenden als der allseits bekannte Goldene Schnitt.

Beim Goldenen Schnitt wird Harmonie durch Asymmetrie erzeugt. Das bedeutet, dass das darzustellende Objekt nicht in der Bildmitte erscheint, sondern rechts oder links davon, einfach gesagt. Natürlich nicht einfach irgendwo rechts oder links, sondern dem Goldenen Schnitt gerecht.

Die Drittel-Regel ist, grob gesagt, eine Annäherung an den Goldenen Schnitt.
John Thomas Smith, ein englischer Antiquar, Zeichner und Graveur, war der erste, der die Drittel-Regel schriftlich niederlegte.
In seinem 1797 erschienen Buch Remarks on Rural Scenery befasste sich Smith unter anderen mit einem 1783 erschienen Werk Joshua Reynolds. Reynolds, einer der bedeutendsten und einflußreichsten Maler des 18. Jahrhunderts, schrieb über die Wirkung von Licht (Helligkeit) und Schatten (Dunkelheit) in Bildern.

Dabei war er der Ansicht, dass in einem Bild niemals zwei Objekte die gleiche Helligkeit haben sollten, da das den Eindruck erwecken würde, der Maler könnte sich quasi nicht entscheiden, was nun das eigentliche Objekt sei, welches dargestellt werden solle.
Um eine harmonische Gestaltung zu erreichen sollten Lichter die größtmögliche Helligkeit haben und Schatten so dunkel wie möglich sein. Von dort wo das, sozusagen, Hauptlicht erscheint, führen dazu ungleich helle Lichter und Abstufungen dann zu den anderen Teilen des Bildes, bis hin zu den dunkelsten Schatten.
Entscheidend sei, dass der Hauptteil des Bildes dominiere und die restlichen Teile sich unterordnen. Die beiden Extreme Hell und Dunkel müssen harmonisiert werden, um dem Bild die größtmögliche Solidität und Wirkung zu geben.

Analog dazu beschrieb Smith dann die Drittel-Regel, bezogen auf den Raum (oder die Fläche?), am Beispiel von Landschaftsaufnahmen/bildern.
Landschaften haben ja eigentlich immer einen Horizont, den man als gerade horizontale Linie bezeichnen könnte.
Warum also nicht, statt wie üblich, den Horizont in der Mitte des Bildes zu belassen, diese Linie brechen, bzw, verschieben, sodass der Himmel zwei Drittel des Bildes einnimmt, statt genau der Hälfte?
Oder eben der Boden zwei und der Himmel nur ein Drittel?
Im Endeffekt war Smith der (berechtigten) Meinung, dass das Verhältnis von 1:2 eine harmonischere Proportion ist, als die formale Hälfte.

Die Drittel-Regel ist aber letztlich „nur“ eine Faustregel, eine Annäherung an den Goldenen Schnitt, so Pi mal Daumen. Das reicht aber völlig aus um Bilder interessanter zu gestalten.

Soviel zur grauen Theorie, jetzt geht es ans Eingemachte!
Eigentlich und uneigentlich sollte man schon bei der Motivauswahl ein wenig auf die Drittel-Regel achten.

In SL ist das mit dem Viewerfenster nicht so ganz einfach. Wie soll ich denn die neun Quadrate sehen können, um mein Bild daran auszurichten?
Um einen Anhaltspunkt zu haben, ob ich jetzt das Bild korrekt ausgerichtet habe, brauche ich etwas woran ich mich festhalten kann.

Bei der Drittel Regel wird nämlich das Bild in neun gleich große Quadrate aufgeteilt (Bei einem Format von 16:9 werden aus den Quadraten Rechtecke, wie man später, weiter unten, sehen kann). Man legt vier Linien über das Bild, bzw. den Sucher, zwei vertikale und zwei horizontale.
Damit ist es einfach, den Horizont an einer der waagerechten Linien auszurichten. Dazu noch das Motiv ungefähr mittig mit einen der Kreuzungspunkte in Einklang bringen (oder auch nicht) und Zack!

Man kann natürlich auch eine der senkrechten Linien benutzen um das Bild an einer Vertikalen, ein Baum, Hauskante, Strommmast, Zimmerecke, wasauchimmer, auszurichten.
Aber wie denn nun?
Ganz einfach. Vor Jahren hat sich Eddi Haskell, ein Einwohner in SL darüber Gedanken gemacht.
Mit einem HUD natürlich. Hättest du auch selbst drauf kommen könnnen!

Wie man so ein HUD selbst bauen kann hat Eddi auf seinem Blog beschrieben. Den Link dazu gibt es am Ende des Artikels. Ich habe das HUD natürlich sofort nachgebaut, ist jetzt nicht allzuschwer.

Ein paar Beispiele, wie man das Bild am HUD ausrichten kann. Die Motive sind zwar nicht so der Burner, aber es geht ja um das Prinzip:)

Was aber, wenn ich ein Bild schon habe?
Na, mit Gimp zurechtrücken. Denn Gimp wäre nicht Gimp, wenn es dafür nicht auch eine Lösung gäbe.
Früher gab es ein schönes Script dafür, das heißt, das Script gibt es immer noch, leider funktioniert das bei mir unter Gimp 2.8.3 nicht mehr. Nu ja, steht auch in der Beschreibung, für Gimp 2.4 und 2.6.
Aber Versuch macht klug:)
Der Vollständigkeithalber gibt es den Link zum Script am Ende des Artikels.
Wohl an denn.

Ein Bild ein Bild:

Fast schon Drittel-Regel gerecht.
Um es aber noch gerechter zu machen, einfach das kleine Messer, Zuschneidewerkzeug genannt, anklicken. Und dann unten da Drittelregel auswählen.


Außer der Drittel-Regel stehen natürlich noch weitere Optionen zur Auswahl:

Keine Hilfslinien
Mittellinien
Drittelregel
Fünftelregel
Goldener Schnitt
Diagonale Linien

Keine Hilfs- und Mittellinien und Goldener Schnitt sollten klar sein. Die Drittelregel beackern wir gerade. Die Fünftelregel ist interessant, bringt sie doch das Bild dem Goldenen Schnitt noch näher als die Drittel-Regel, auf Faktor 0,6 (Goldener Schnitt Faktor: 0,618). Bei der Fünftelregel wird die Strecke in Fünftel unterteilt, was aber jetzt zu weit führt:)

Die Diagonalen Linien beziehen sich auf eine Methode des niederländischen Fotografen Edwin Westhoff.
Mit dieser Methode lassen sich auf Bildern Einzelheiten, wie etwa Augen oder Hände, Gegenstände, etc. hervorheben.
Kurzgefasst sind Bilder im Format 4:3 oder 3:2, die die Diagonalmethode berücksichtigen (höchstens ein Milimeter Abweichung auf Din A4) meistens spannender und harmonischer. Näheres zur Diagonalmethode wieß die nächstgelegene Allwissende Müllhalde. Ein Blick darauf lohnt sich allemal!

Nu aber weiter mit der Drittel-Regel:

Mit der Maus zieht und drückt man solange an den vier Ecken des „Zuschneiderechtecks“, bis die Drittel-Regel erfüllt ist. So dann einfach in das Viereck klicken und Paff! Fertig!

Die Bildgröße ist, wie man sieht, jetzt so ziemlich „krumm“.
Eine Möglichkeit, das Bild wieder auf 3200×1800 Punkte zu bringen ist unter dem Menüpunkt „Bild“ zu finden. Nämlich „Bild Skalieren“.

Das kann jedoch zu Verzerrungen, Artefakten usw. führen.

Besser macht es das Plugin Liquid Rescale GIMP plugin. Und nicht nur das, Liquid Rescale kann noch viel mehr.
Denn das Liquid Rescale GIMP plugin ist das freie Open Source Frontend der Liquid Rescale Library. Die wiederum eine frei Open Source Implementierung des von Shai Avidan and Ariel Shamir entwickelten Seam Carving Algorithmus ist. Dazu vielleicht mal später in kleines Tutotrial.
Soviel Sand und so wenige Förmchen:)

Zum Schluß noch das berühmt-berüchtigte Vorher-Nachher Dings. Fast so beliebt wie das alte Rein-Raus-Spiel 🙂

Wie man sieht hat sich das Nachherbild durch das Skalieren wieder etwas aus de Drittel-Regel herausgeregelt, ist aber immer noch nahe genug dran, finde ich.

Der Witz an der Drittel-Regel ist, genau wie bei allen anderen Kompositionsregeln, dass sie ein Kann und kein Muß ist, bzw. sind.

Allerdings sollte man beim Betrachten eines Bildes zumindest erahnen können wollen, warum dieses oder jenes Bild „besser“ rüberkommt, als ein anderes.
Das ist keine Zauberei, sondern, wenn man so will, pure Manipulation des Malers oder Fotografen oder der Werbeindustrie, die das Auge genau auf das lenken, worauf es ihnen ankommt.

So, wieder etwas gelernt:)
Auch wenn ich das Meiste nur angrissen habe, hoffe ich, dass es zumindest einigermaßen verständlich geworden ist, was es mit der Drittel-Regel auf sich hat. 🙂

Musiktipp des Tages: David Hasselhoff – True Survivor
Don´t Hassel the Hoff ;-D

Links:
Eddi Haskells Drittel-Regel HUD: My simple second-lif photography hud

Rule of thirds script für Gimp 2.4 und 2.6: Gimp Plugin Registry

Liquid Rescale Gimp Plugin: Liquid Rescale GIMP plugin wiki

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Anleitung, Bilder, Deutsch, GIMP, GIMP & Co., How to abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Rule of thirds – Mit Gimp

  1. lapismont schreibt:

    Ich hab noch nicht verstanden, wann die Regel erfüllt ist.

    Gefällt mir

  2. Leonorah Beverly schreibt:

    Wieder mal eine erstklassige Erklärung. Danke Natascha!

    Gefällt 1 Person

  3. Leonorah Beverly schreibt:

    Noch eine winzige Korrektur: der Link zu Eddi Haskell klappt nicht.
    statt „https“ am Anfang muss es nur „http“ heißen 🙂

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.