Tante Nat erklärt die Welt: Einfacher einfärben

Farbe ist ja nicht nur das, was frau und man auf die Raufaser, mehr oder weniger gekonnt, aufträgt. Farbe ist ein schier unendliches Thema.
Angefangen von der Farbwahrnehmung, über Farbräume, bis hin zu Auswüchsen wie Farbmarken.
Weshalb am Anfang ein wenig Theorie zur Farbe sein muß:)

Die Farbwahrnehmung des Menschen beruht auf Sinneszellen (Zapfen und Stäbchen). Während es von diesen Stäbchen eine Menge gibt (etwa 120 Millionen) gibt es davon aber nur einen Typ. Diese Stäbchen sind sehr empfindlich und reagieren auf sehr schwache Lichtreize, wodurch sie eine Hell-Dunkel-Unterscheidung ermöglichen. Dadurch wird ein monochromatisches Sehen etwa bei Nacht ermöglicht. Da die Stäbchen immer alle auf eine bestimmte wellenlänge des Lichts reagieren, ist mit ihnen keine Farbwahrnehmung möglich. (Nachts sind alle Katzen grau).
Für die farbwahrnehmung sind die Zapfen zuständig. Diese Zapfen, mithin Fotorezeptoren, sind weniger lichtempfindlich als die Stäbchen und es sind auf der menschlichen Netzhaut auch viel weniger vorhanden (etwa 6 Millionen).
Dafür gibt es drei Typen von Zapfen, die auf Licht unterschiedlicher Wellenlänge reagieren und damit eine Farbwahrnehmung ermöglichen. Es gibt jeweils einen Typ für Blau (s-Typ), Grün (M-Typ) und Rot (L-Typ).
Während die Anzahl der Blaurezeptoren beinahe bei jedem Menschen etwa 12% der Zapfen ausmacht, variiert das Verhältnis der Grün- und Rotzapfen stark.

Schon bevor bekannt war, dass es diese Sinneszellen auf der Netzhaut gibt, entwickelte Herman von Helmholtz die Trichomatische Theorie (Dreifarbenhteorie), die darauf beruht, dass sich durch das Mischen farbigen Lichts dreier Grundfarben (Rot, Grün und Blau) jede beliebige Farbe erzeugen lässt.

Genau darauf beruht das Funktionsprinzip des Farbfernsehens und des Farbbildschirms.

Womit wir bei RGB angelangt sind.
RGB heißt zunächst nichts anderes als Rot, Grün und Blau.
Woraus sich ja alle möglichen Farben bzw. Farbnuancen herstellen lassen können. Theoretisch.
Der Farbdarstellung auf einem Computerbildschirm sind aber Grenzen gesetzt.

Diese Bildschirme stellen Rastergrafiken dar. Man kann sich das ungefähr so vorstellen, als wenn man ein Bild aus einzelnen Punkten auf Milimeterpapier zeichnet, pro Kästchen ein Punkt.
Allerdings ist damit noch nicht die Farbe definiert, dies geschieht über die Farbtiefe.

Die einzelnen Punkte auf dem Milimeterpapier sind praktisch gleich der Pixel auf einem Monitor. So ein Pixel enthält dann die Farb- und Helligkeitsinformationen (Zapfen und Stäbchen, quasi). Ein Pixel hat drei Farbkanäle und und jedem Farbkanal ist die Anzahl der möglichen Farbabstufungen vorgegeben. Abhängig von der Anzahl der Bits pro Farbkanal. Diese Bits bestimmen letztendlich die Farbtiefe. Je mehr Bits, desto mehr Farbabstufungen.
Der 8-Bit RGB Farbraum ist der gängigste Farbraum. Damit lassen sich bis zu 16,8 Millionen Farben darstellen.
Da ein Bit nur zwei Zustände annehmen kann (an oder aus) ergeben sich 28 = 256 Abstufungen pro Kanal. Da aber 3 Kanäle zur Verfügung stehen, ergibt 2563 genau 16.777.216 mögliche Abstufungen.

Soweit so gut. Wir haben jetzt einen Farbraum mit dem wir mehr als 16 Millionen Farben darstellen könnten.
Im RGB Farbraum wird eine Farbe durch Wertebereiche definiert. Da ein Farbkanal einen von maximal 256 (0 bis 255) Werten annehmen kann, ergibt sich für Rot R=255, G=0, B=0, die Schreibweise 255,0,0.

Was nun wiederum bedeutet, dass man sich seine Farbe schön zusammen mischen kann. Seit dem die ersten Troglodyten schöner Wohnen praktiziert haben und die Höhlenwände mit Graffiti verschönerten, wurden Farben zusammengemischt.
Diesen Farben wurden dann Namen gegeben, wie Himmelblau, Grasgrün, Blutrot usw. Jede Farbe hattte und hat ein bestimmtes Mischungsverhältnis von eben Rot, Grün und Blau.

Dieses Mischungsverhältnis festzulegen, machte es dann um Längen einfacher, etwa bei einem Porzelan imm das gleiche Preußischblau zu verwenden.
Im Laufe der Zeit ergaben sich durch neue Techniken und Materialien immer neue Farbkombinationen, die immer wieder neue und zT skurille Namen erhielten. So war zB die Pantone Farbe des Jahres 2012 „Tangerine Tango“, so eine Art Orangerot.

Wie auch immer, all überall wurden und werden Farben normiert und in Farbsystemen und Farbkatalogen dargestellt. In Deutschland etwa durch die RAL gGmbH. Ziel des Ganzen ist es, das man kein Muster mehr braucht, sondern die Farbmischung anhand der vorgegebenen Definition erfolgt.

Findige Leute haben alle möglichen Farben, ob RAL oder Pantone oder sonstige Farben in RGB „übersetzt“ so dass es möglich ist, diese Farben annäherungsweise am Bidlschirm darzustellen. Annäherunngsweise deshalb, weil Monitore unterschiedlich in Kontrast und Helligkeit sind und deshalb die einzelnen Farben unterscheidlich darstellen. Die meisten dieser Farbumsetzungen in RGB sind daher auch nicht verbindlich, geben aber schon mal einen Eindruck der jeweiligen Farbe wieder.

So ungefähr jedenfalls. Wer sich mehr mit Farbräumen, -tiefen, -wahrnehmung beschäftigen will, sollte die nächstgelegene Wikipedia zu Rate ziehen.

Genug aller grauen Theorie, jetzt komme ich zum eigentlichen Kern, endlich.

Wenn ich also die Möglichkeit habe, mir aus mehr als 16 Millionen Farben eine auszusuchen und mir die dann auch ausgesucht habe, muss ich die Werte eingeben. Zumeist in einem Farbauswahldialog.

Nehmen wir einmal an, ich hätte diesen schönen Tucker Torpedo aus dem Jahr 1948 im alten Karniggelstall gefunden…

Preston 48 Blue

Der ist zwar schön blau, aber ich hätte gerne dieses Original Maroon, so eine Art Kastanienbraun. Also erstmal auf die Suche machen. In der allwissenden Müllhalde nach „Tucker Torpedo Maroon“ gesucht und nach einigem hin und her fand ich auch eine ziemlich ähnliche Farbe, nebst RGB Code: 100,29,33.

In SL dann auf den Torpedo mit rechter Maustaste geklickt und Edit auswählen. Auf den Reiter Textures klicken und nicht vergessen Select Face zu aktivieren. Mit einem Mausklick auf den Kotflügel kann man dann sehen, welche Farbe der Kotflügel hat. Ein blaues Blau, wie der ganze Wagen.
RGB Blau

Das ändere ich, in dem ich den RGB Code für Maroon eingebe:

Und Zack! ist die Farbe des Kotflügels anders. Maroooooooon!

Aber jedesmal bei jedem Teil immer die drei Werte eingeben?
Nö.
Da muß es doch eine andere Lösung geben? Und ja, die gibt es. Und das ist keine Hexerei, sondern die Hexadezimale Farbdefinition. Die hexadezimale Farbdefinition einer RGB Farbe wird als drei zweistellige Hexadezimalzahlen aneinandergeschrieben. Davor kommt noch der Lattenzaun.
Das sieht dann so aus: #FF0000 für Rot (als RGB 255,0,0)

Ja und wie rechne ich das nun um? Ich gar nicht:) Viele schlaue und einfallsreiche Leute stellen im Internet RGB-to-Hex und umgekehrt zur Verfügung.
Das macht die Eingabe einer Farbe um vieles einfacher und schneller, zB mittels copy&paste.
Guck hier:

Eine richtig gute Quelle für RGB Farben stellt die Encycolorpedia dar. Dort kann man auch nach Farbnamen suchen, etwa Midnight Blue. Es werden dann verschiedene Mitternachtsblau angezeigt. Wählt man eine aus, erscheinen jede Menge Informationen zur Farbe sowie die RGB-, HEX- und viele weitere Farbcodes.
Die Hexcodes funktionieren natürlich auch in Gimp. sodass einem nachträglichen Einfärben nichts im Wege steht.
Oder, wenn man sich alle zusammenpassenden Farben heraussucht, kann man sich eine Farbpalette mit fünfziger Jahre Farben bauen oder auch eine andere:)

Ich fahre jetzt erstmal mit dem kastanienbraunen Torpedo ins Wochenende, weil mir der Kopf von all den Farben schwirrt…
Preston 48 Maroon

Musiktipp des Tages: Stan Ridgeway – Camouflage

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5 Antworten zu Tante Nat erklärt die Welt: Einfacher einfärben

  1. kjs Yip schreibt:

    Fein erklärt – und, danke, die „Enzycolorpedia“ kannte ich noch nicht; feiner Fundus!

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  2. kjs Yip schreibt:

    jaja, muss ein „c“ statt „z“ rein…

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  3. reini schreibt:

    Dinge die die Welt einfach wissen muss und wie man sieht, dass weibliche Goscherl bekommt dann gleich den Maroooooooni Touch mit,zwei Fliegen mit einer Mischung

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