Vorlesezeit – Der Tod kann warten

Letzen Sonntag las Bernhard Giersche in SL aus seinem Buch „Kampf dem Karl, der Tod kann warten“.
Eine gut besuchte Lesung, die zudem auf yt gestreamt wurde.

Allein, das Thema ist bedrückend.
„Kampf dem Karl“ ist Bernhard Giersches Tagebuch, indem er seinen Kampf gegen den Krebs beschreibt.
Bernhard Giersche geht in seinem Buch, das eigentlich gar keines werden sollte, sehr offensiv mit seiner Krankheit und dem Kampf dagegen um.

Für manche ist das starker Tobak. Ich finde jedoch, Jede und Jeder sollte mit diesem finalen Thema so umgehen, das es vielleicht weniger schmerzlich ist.

Weil, scheiß drauf, was gibt es noch zu verlieren?

Wobei ich nicht weiß, vielleicht auch gar nicht wissen will, was nun besser ist. In vollem Bewußtsein auf das Ende zuzugehen, oder lieber ZACK! Der Bus war schneller? Kann man da eigentlich von einer Rangfolge, im Sinne von besser oder schlechter denken?

Aber wer hat sich nicht schon einmal überlegt, ob Ersticken oder Ertrinken oder Verbrennen besser ist? Die meisten möchten wohl mit 85 „friedlich Einschlafen“. Aber was, wenn du gerade kurz vor dem Ableben einen richtig bösen Alptraum hast?

Nun ist der Tod im Allgemeinen, und der eigene im Besonderen, kein Wunschkonzert. Im Gegenteil, der Tod ist eine ernste Sache. Todernst.
Und das Problem ist, er kommt, als finale Gewissheit. Und er ist Endgültig.

Weshalb er auch, so wie Bernhard Giersche schreibt, tabuisiert wird.
Trotz aller Nachrichten über Massaker, Flugzeugabstürze oder wenn ein verblödeter Vollidiot meint, im Namen irgendeines Gottes Leute umbringen zu müssen.
Solange ich, oder wir, davon in der Zeitung, oder diversen social Medien, lesen oder hören, solange sind wir ja nicht wirklich betroffen. Das ist alles irgendwie weit weg.

Nur wenn man selbst betroffen ist, ja dann geht es ans Eingemachte.
Da ist dann nichts romantisches oder heldenhaftes oder was derlei Dinge mehr sind.
Da ist einfach gar Nichts.

Ich habe das beim Tod meiner Mutter so richtig bewußt erlebt.
Das lange Sterben, die durchwachten Nächte, die langen Gespräche über dies und das und Kleinigkeiten. Dieses nicht loslassen wollen.
Irgendwie war das schrecklich, manchmal auch ermüdend, aber auch tröstlich. All diese Ups und Downs…Weil ich irgendwie immer in dem Bewußtsein war, dass dies das letztemal sein könnte, mit meiner Mutter zu sprechen.

Die letzten langen Nächte im Krankenhaus, der letzte Kampf, wenn der Körper nicht mehr kann, aber die Seele nicht loslassen will. Wo ich auf jeden Atemzug gehört habe, bei jeder Bewegung hochgeschreckt bin…
Und plötzlich bleibt dann die ganze Welt für eine lange Sekunde stehen.
Und trotzdem dreht sich alles wie verrückt.
Du hast gewusst, dass das passieren wird. Tod. Unausweilich. Und trotzdem bleibt diese seltsame nicht fassbare Unwirklichkeit, den Kopf voller Watte, all die kleinen und großen Scheißprobleme, über die du dir noch einen Kopf gemacht hast, sind so scheißegal wie nur was.

Alle diese Dinge und noch mehr, sind in mir während der Lesung wieder hochgekocht.
Weshalb ich nichts über das Buch selber sagen will.

Viele sind gar nicht mehr in der Lage sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen, dafür kommt er dann viel zu schnell.

Bernhard Giersche hat die Chance ergriffen, den Kampf angenommen, mit offenem Visier, ohne Backup und ich wünsche ihm und seiner Familie von ganzem Herzen, dass er diesen Kampf gewinnt!

Bei Kueper gibt es mehr zu Bernhard Giersches Lesung, unter anderen die beiden Videomitschnitte, RL und SL:
Bernhard Giersches Lesung am Sonntag: Über die Veranstaltung, auf die wir alle gern verzichtet hätten…

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4 Antworten zu Vorlesezeit – Der Tod kann warten

  1. Karima Hoisan schreibt:

    Sehr eindrucksvoll geschrieben Nat, und sehr ehrlich. Hugs!

    Gefällt 2 Personen

  2. Dies ist der erste Beitrag zur Lesung, der mich wirklich anspricht, im Klartext und mit eigenen Erfahrungen angereichert. Seit Juli habe ich beim Erstellen dieses Buches mitgekrebselt und dabei ein völlig neues Bewusstsein entwickelt. Meine Werte haben sich verschoben, vieles erlebe ich jetzt intensiver, denn die Uhr tickt und auch alltägliche Kleinigkeiten sind nicht selbstverständlich. Diese Wirkung wünsche ich jedem Leser um sein Leben im hier und jetzt zu geniessen!

    Gefällt 1 Person

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